Vorhofflimmern
Vorhofflimmern stellt die
häufigste supraventrikuläre Form der schnellen (tachycarden)
Herzrhythmusstörungen dar. Vorhofflimmern tritt,
wie der Name bereits vermuten lässt, auf der Ebene der Vorhöfe des Herzens auf.
Hier übergehen elektrische Signale die geregelte Herzleitung, die ja unter
Kontrolle des Sinusknotens stehen sollte. Diese elektrischen Impulse stammen aus
sog. ektopen Zentren, was man vielleicht mit der „Wucherung eines elektrischen
Gewebes“ umschreiben könnte.
Vorhofflimmern: Ursachen
Zunächst sind auch ca. 15
Prozent der herzgesunden „Normalbevölkerung“ von zeitweisem (intermittierend)
auftretenden Vorhofflimmern betroffen. Häufig wird dies gar nicht bemerkt,
sondern ist ein Zufallsbefund.
Es gilt aber eine
organische Herzerkrankung auszuschließen. Häufig handelt es sich bei jüngeren
Patienten um eine Herzklappenerkrankung z.B. (Mitralvitium), häufig aber auch im
fortgeschrittenen Lebensalter um eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße (KHK),
um die Folgen einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder um Veränderungen,
die von außen auf das Herz einwirken. Zu denken ist an die schädigende Wirkung
einer arteriellen Hypertonie oder an eine Lungenembolie.
Vorhofflimmern: Auswirkungen auf die
Herzfunktion
Die Vorhöfe schlagen mit
einer Frequenz von über 250 Schlägen pro Minute. Damit stehen die Vorhöfe unter
hämodynamischen Gesichtspunkten praktisch still. Sie können beim Vorhofflimmern
keine Pumparbeit mehr leisten, da sie nicht genügend Zeit haben sich zwischen
den Schlägen mit Blut zu füllen. Dies hat im Verlauf auch negative Auswirkungen
auf das Verhalten der Herzkammern. Diese geraten gewissermaßen aus dem Takt. Es
resultiert das Bild einer absolut unrhythmischen Schlagfolge des übrigen
Herzens. Man spricht daher auch korrekter von einer absoluten Arrhythmie der
Kammern in Verbindung mit Vorhofflimmern. Oftmals schlägt das Herz bei dieser
Form der Rhythmusstörung auch deutlich schneller als 60 bis 100 Schläge pro
Minute. Man spricht bei diesem Krankheitsbild folgerichtig von einer
Tachyarrhythmia absoluta mit Vorhofflimmern. Die gebräuchliche Abkürzung lautet
denn auch TAA mit VHF.
Vorhofflimmern: Akute Folgen
Zunächst einmal tritt
intermittierendes Vorhofflimmern häufig unbemerkt auf. Es kann aber auch als
sehr störend empfunden werden. Manche Patienten leiden unter heftigem
Herzstolpern, teils auch Herzrasen (es können Frequenzen von 160 Schlägen pro
Minute und mehr erreicht werden). Wenn unter dem gestörten Herzrhythmus auch die
Pumpleistung des Herzens deutlich abnimmt, kann es natürlich auch weitere
Symptome geben. Diese sind dann Ausdruck des Leistungsabfalls des Herzens. Mit
dem Absinken der Blutversorgung kann Vorhofflimmern zu Luftnot bei Belastung,
empfundenen Leistungsknick, aber auch Herzschmerzen (Angina pectoris) führen.
Diese Veränderungen machen Angst und verschärfen hierdurch die Symptomatik.
Theoretisch könnte das Vorhofflimmern bis zum Herzversagen führen.
Vorhofflimmern: Langzeitfolgen
Mit dem arrhythmischen
Schlagen des Herzens steigt beim Vorhofflimmern die Gefahr, dass sich Gerinnsel
im Herzen bilden. Der regelhafte Transport des Blutes ist ja massiv gestört,
Blut, welches in den Adern steht, würde dort gerinnen. In den „Ecken“ (Taschen)
des Herzens treffen wir diesen Zustand beim Vorhofflimmern an. Es müssen sich
keineswegs zwangsläufig Blutgerinnsel bilden, aber die Wahrscheinlichkeit dafür
steigt, je länger das Vorhofflimmern besteht.
Blutgerinnsel könnten sich dann lösen und mit dem Blutstrom auch in das Gehirn
gelangen. Dort würden sie dann das Bild eines Schlaganfalls hervorrufen können.
Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses pro Jahr mit
ca. 8 Prozent anzusetzen. Das ist natürlich Statistik.
Vorhofflimmern: Diagnostik
Neben einem Ruhe-EKG ist
besonders das Langzeit-EKG von entscheidender Bedeutung. Erst hierdurch lässt
sich gerade das nur intermittierend auftretende Vorhofflimmern feststellen.
Vorhofflimmern: Therapie
Man versucht natürlich
zunächst die Ursache des Vorhofflimmerns zu erkennen und ggf. zu behandeln. Also
wäre beispielsweise eine arterielle Hypertonie adäquat zu behandeln. Oftmals
führt dies aber nicht zum gewünschten Erfolg. Oft geht auch das zunächst
intermittierend auftretende Vorhofflimmern in ein permanentes Vorhofflimmern
über.
Man kann also häufig nur
die Symptome dieser Erkrankung unterdrücken.
Zunächst muss eine
Frequenzkontrolle erreicht werden. Es geht dabei um eine Normalisierung der
Kammerfrequenz. Hierzu verwendet man Medikamente wie Digitalis, Isoptin oder
auch Betablocker. Erst bei einer weitgehend normalen Frequenz kann unser Herz
wirklich ökonomisch arbeiten.
Ein zweiter Schritt ist
die Wiederherstellung eines Sinusrhythmus. Dies kann elektrisch
geschehen, indem man dem Herzen unter Vollnarkose einen gezielten Stromstoß gibt
(Kardioversion), oder indem man wiederum sogenannte Antiarrythmika einsetzt. Es
handelt sich dabei um spezielle Medikamente, zu denen Substanzen wie
beispielsweise Propafenon (Rytmonorm), Digitalis oder auch Amiodaron (Cordarex)
gehören.
Wichtig ist, man darf bei
Vorhofflimmern nur kardiovertieren, wenn noch kein Thrombus im Herzen vorliegt.
Ausgeschlossen werden kann ein solches Gerinnsel nur durch eine sogenannte
transösophagiale Echocardiographie (TEE). Dabei wird ähnlich wie bei einer
Magenspiegelung (Gastroskopie) über ein Endoskop eine Ultraschallsonde in die
Speiseröhre (Ösophagus) vorgeschoben. Ähnlich wie bei der klassischen
transthorakalen Echocardiographie (TTE) bildet sie die einzelnen Herzinnenräume
im bewegten Bild ab. Gerinnsel können so indirekt sichtbar gemacht werden. Man
nennt diese Untersuchung folgerichtig TEE. Diese Abkürzungen werden so im
Sprachgebrauch genutzt.
Der dritte Schritt besteht
darin eine wirksame Antikoagulation zu erreichen. Gemeint ist damit ein
medikamentöser Schutz vor einer Gerinnselbildung. Hierzu verwendet man meist
Marcumar. Dieses Medikament verdünnt das Blut, indem es die Produktion der
Blutbestandteile partiell hemmt, welche für den Gerinnungsvorgang verantwortlich
sind.
Man nennt das auch
Thromboembolieprophylaxe. Es ist bei dieser Methode meist zeitlebens
erforderlich, die Gerinnungswerte regelmäßig zu messen, um danach die nötige
Marcumardosis zu ermitteln.
Wenn eine entsprechende
Einstellung der Patienten gelungen ist, kann diese chronische Erkrankung
Vorhofflimmern gut in den Alltag der Betroffenen integriert werden.
Mit den besten Wünschen für Ihre
Gesundheit!
Ihr Team von der Wicker-Klinik, Bad Wildungen

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Aktualisiert: Juli 2010
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